Zur Person

Karl Joseph Kraft wurde am 9. Februar 1903 in München-Sendling geboren. Er war das älteste von drei Geschwistern eines katholischen Ehepaars, das von Seiten der Mutter groß- und bildungsbürgerliche Wurzeln hatte und von Seiten des Vaters eher in bescheidenen Verhältnissen verankert war. Alle diese Einflüsse sollten sich in den Lebenswegen von Karl Kraft und seinen Geschwistern widerspiegeln.

Nach dem Abschluss der Oberrealschule wurde ihm wohl aufgrund einer Sonderbegabtenprüfung ohne Hochschulreife der Zugang zur damaligen Akademie der Tonkunst in München gewährt (heute Hochschule für Musik und Theater). Während der Studienzeit erhielt er Privatunterricht bei dem Reger-Schüler Gottfried Rüdinger, legte erste Kompositionen vor, kam in Kontakt mit Musikverlegern und Vertretern des „kirchenmusikalischen Aufbruchs“.

Karl Kraft: Kinderportrait
Karl Kraft als Student
Karl Kraft an der Orgel der Marienkapelle

1923 wurde er aus drei Bewerbern für die neu zu besetzende Stelle des Augsburger Domorganisten ausgewählt. Da er mit erheblichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte (schlechte Bezahlung, Überhäufung mit fachfremder Arbeit wie Kanzleitätigkeit, Zwistigkeiten mit dem Domkapellmeister) kündigte er nach zwei Jahren im Affekt seine Stelle, ohne eine andere in Aussicht zu haben. 1925 wurden ihm verschiedentlich andere Stellen angetragen z.B. an der Liebfrauenkirche Dortmund, die er jedoch ablehnte, um im Oktober reumütig auf seine alte Position zurückzukehren.

Während des „Dritten Reiches“ kam Kraft wohl durch seine Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer in Kontakt mit Richard Strauss, den er zeitlebens verehrte. Vom Kriegsdienst war er wegen seiner Unabkömmlichkeit am Dom lange freigestellt. Nachdem er schließlich doch noch zum Volkssturm eingezogen worden war, desertierte er und hielt sich bis Kriegsende im Haus seiner Mutter am Ammersee versteckt.

Im Zusammenhang mit dem II. vatikanischen Konzil war Kraft einer der Vordenker liturgischer und musikalischer Erneuerungen und schließlich nach der Liturgiereform ein scharfer Kritiker des von ihm beklagten Bildersturms in bildender und musikalischer Kunst.

Neben vereinzelten internationalen Kontakten tauschte sich Kraft intensiv mit Augsburger Kunstschaffenden aus, die im „Augsburger Künstlerkreis“ einen wöchentlichen Jourfix hatten. Dieser Kreis brachte auch gemeinsame Arbeiten hervor wie Ballettmusiken zu bestimmten Libretti und Choreografiebüchern oder grafische Arbeiten über Noten-Autographe.

Karl Kraft am Flügel
Karl Kraft: Frühe Jahre in Bettbrunn
Karl Kraft beim Abhören einer Aufnahme

Ab den 1970-er Jahren wurden Kraft zahlreiche Ehrungen entgegengebracht und Dekorationen verliehen, die er meist ablehnte: 1973 päpstlicher Silvesterorden; 1977 Orlando-di-Lasso Medaille; 1977 Bundesverdienstkreuz – das Bundespräsidialamt stimmte dem Vorschlag des Regierungspräsidiums von Schwaben im Dezember 1977 zu, Kraft starb jedoch im Februar 1978 noch vor der geplanten Verleihung; 1980-er Jahre Widmung der Karl-Kraft-Straße in Leitershofen bei Augsburg.

1976 wurde er auf eigenen Wunsch in den Ruhestand entlassen. Man hatte zuvor jahrelang gezögert, diesen Schritt zu unternehmen, da zunächst kein adäquater Nachfolger denkbar war.

Am 6. Februar 1978 starb Kraft in der damaligen St.-Barbara-Klinik und wurde unter großer öffentlicher Anteilnahme und in Anwesenheit des gesamten Augsburger Domkapitels auf dem Münchner Waldfriedhof (Alter Teil) beigesetzt.

Werkverzeichnis

http://diglib.uibk.ac.at/ulbtirolhs/content/pageview/1321201